Poliermaschinen, Polierpads und Polituren

Am Anfang stellen sich meist die Fragen:

- Welche Poliermaschine sollte ich kaufen?

- Welche Politur ist für meinen Lackzustand die richtige?

- Welches Polierpad wird für welche Politur genutzt?

- Was benötige ich zusätzlich an Zubehör?

Beim Beantworten dieser Fragen wollen wir kurz und knapp versuchen, dir unter die Arme zu greifen. Alle Angaben werden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, ohne dass wir hierfür Haftung übernehmen.

 

Welche Poliermaschine sollte ich kaufen bzw. welche Poliermaschine benötige ich?

Grundsätzlich eignet sich unserer Meinung nach, für den Neuling in Sachen Polieren, immer eher eine Exzentrische Maschine mit wenig Hub und einem 125mm Stützteller. Die Exzentrische Bewegung des Stützteller sorgt dafür, dass weniger Hitze entsteht und somit die Gefahr von verbranntem Lack deutlich geringer ist als mit einer Rotationsmaschine oder Exzenter mit Zwangsrotation. Der 125mm Stützteller stellt einen guten Mittelweg dar und ist sowohl für größere Flächen, als auch für die meisten kleineren Flächen, zu nutzen. Im Zubehör gibt es für viele Maschinen, die mit 125mm Teller ausgeliefert werden, zudem noch 75mm Stützteller zum Umrüsten (hier ist zwingend darauf zu achten, ein Ausgleichsgewicht zu montieren, um ungefähr auf das Gewicht des originalen Tellers zu kommen. Ansonsten kann die Exzentermechanik Schaden nehmen).

Als gute Maschine für den Anfänger können wir die Liquid Elements T2000 empfehlen (wenn später ggf. noch eine größere dazu kommen soll z.B. die Liquid Elements T5000)

oder aber die Liquid Elements T3000 (wenn auch mittelfristig nur mit einer Maschine gearbeitet werden soll). Die T3000 hat mehr Leistung sowie einige andere Features.

Hier haben wir sinnvolle Startersets zusammengestellt z.B. dieses hier mit der Liquid Elements T2000 V3.

 

Welche Politur ist für meinen Lackzustand die richtige?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt aus unserer Sicht selbstverständlich "so vorsichtig wie möglich". Genauso, wie man im Innenraum stets erst einmal den mildesten Reiniger nutzen sollte und sich nur steigert, wenn dieser nicht das gewünschte Ergebnis liefert, würden wir beim Polieren des Lackes auch immer mit der feinsten Politur anfangen und uns dann das Ergebnis angucken. Die Lackschichten haben nur eine bestimmte Dicke und irgendwann könnte es dann an Material fehlen und der Klarlack durch poliert bzw. beschädigt sein.

Es empfiehlt sich eine Art Testspot anzulegen. Dies kann ein abgeklebter Bereich oder auch ein abgegrenztes Bauteil sein, auf dem man eine Kombination aus Politur und Polierpad ausprobiert, die Politurreste abnimmt und das Ergebnis überprüft. Zeigt dieser Testbereich das gewünschte Ergebnis, weiß man, wie man arbeiten muss. (Grundvoraussetzung ist natürlich ein rund herum gleicher Lackaufbau)

Zusätzliche würden wir, vor jedem Poliervorgang an uns unbekannten Lacken, immer die Schichtdicke mittels eines Schichtdickenmessgerätes überprüfen und dokumentieren. Dadurch kann man erkennen, ob ein Bauteil nachlackiert wurde und Vorsicht geboten ist. Durch Messungen direkt neben der Antenne, zwischen Emblemen o.Ä., lässt sich zudem die originale Lackdicke vermuten.

Rotationsmaschine in Kombination mit abrasiven Polituren sollten nur in geübten Händen auf den Lack losgelassen werden. Gerade Profis nutzen diese Kombination bei der Defektkorrektur oder enorm oxidierten Lacken, um Zeit zu sparen.

Für die meisten Endverbraucher bietet sich zudem eine One Step Politur an. Hier handelt es sich um Polituren, die über Schleifkörper verfügen, die sich während des Polierprozesses zerlegen und somit von einem gröberen Bereich, bis in den Finishbereich, alles abdecken. Zudem haben diese Polituren meist eine integrierte leichte Versiegelung. Wichtig bei diesen Polituren ist, dass sie bis zum Ende komplett durchgefahren werden (bis die Politur durchsichtig ist) und die Politur am Anfang gut auf der Oberfläche verteilt wird. Ansonsten hat man im Anfangsbreich viel Cut und im Endbereich zu wenig Cut. Also Politur auf dem Pad verteilen und im ruhenden Zustand auf dem kompletten Arbeitsbereich verteilen. Dann erst die Maschine starten und mit dem eigentlichen Polieren des Autos beginnen.

Wichtig: Soll später manuell versiegelt werden, bitte keine Politur mit versiegelnden Eigenschaften nutzen. Den Finish Durchgang dann z.B. mit der M3.02 fahren. Dann kann die manuelle Versiegelung sich optimal mit der Oberfläche vernetzen und hält länger.

 

Welches Pad wird für welche Politur genutzt?

Hier gibt es leider keine einheitlichen Farbsysteme, die herstellerübergreifend vorzufinden sind. Im Herstellersystem selbst ist die richtige Kombination meist einfach zu erkennen. Bei Koch Chemie ist es durch die Farbgebung ziemlich eindeutig, dass die M3.02 (lila) mit dem Micro Cut Pad (lila) zusammen passt. Teilweise steht es auch auf der Rückseite der Polierpads (cut, polishing, finish o.Ä.).

Liquid Elements hat folgende Farbgebung für Ihre neuen Pad Man V2 und Centriforce V2 Polierpads:

  • rot = cut / heavy cut | grob, viel Abrasivität, hoher Abtrag
  • gelb = polish / medium cut | mittelgrob, allround
  • grün = finish / soft cut | fein, wenig Abrasivität
  • lila = sealing | sehr fein, keine Abrasivität, zum Auftragen von Wachsen oder Versiegelungen

Ein Set aus allen vier 125mm Polierschwämmen gibt es hierWer nur die Cut, Polish und Finish Polierpads haben will, kann sich dieses Set angucken.

Die Polierpads von Koch Chemie sind hingegen wie folgt gestaltet: 

  • rot =  Heavy Cut | grob, viel Abrasivität und viel Cut
  • gelb =  Fine Cut | mittelgrob, für kleinere Defekte
  • lila = Micro Cut | fein, wenig Abtrag und Abrasivität
  • grün = Polish & Sealing | sehr fein, keine Abrasivität, zum Auftragen von Wachsen oder Versiegelungen

Sets für verschiedene Stütztellerdurchmesser und entweder mit 3 oder 4 Polierpads findet ihr bei unserer Kategorie Sets

 

Grundsätzlich sollten die Poren der Polierschwämme auf die Korngröße des Schleifkörpers der Politur abgestimmt sein. Sind die Poren zu klein oder zu groß, liefert der Schleifprozess kein gutes Ergebnis. Zwischenschritte sind allerdings möglich und auf einigen Lacken auch nötig. Bei One Step Polituren wird ein Pad genommen, welches über eine Porengröße verfügt, die auf die anfängliche Korngöße abgestimmt ist. Die Koch Chemie One Cut Pads (orange) für die One Step Politur P6.01 basiert nach unserem Kenntnisstand z.B. auf dem Fine Cut Pad (gelb) von Koch Chemie.

Falls einmal überhaupt kein Hinweis Rückschlüsse auf das Einsatzgebiet des Polierpads zulässt, kann man mit den Fingern über die Vorderseite streichen. Man spürt und hört in der Regel, wie grob das Pad ist. Die Stauchhärte ist ein weiterer Punkt, der Aufschluss geben kann. Umso lauter das Kratzgeräusch, umso fester der Schaumstoff, umso mehr Widerstand beim Darüberstreichen wahrzunehmen ist, desto mehr Cut sollte der Polierschwamm haben.

 

Was benötige ich zusätzlich an Zubehör?

Je nach vorhandenem Material sollte das Sortiment ggf. noch um Entfetter, gute Tücher, zum Politur entfernen, und Abklebeband ergänzt werden. Auf ausreichenden Arbeitsschutz sollte zudem geachtet werden. Schutzbrille, Gehörschutz, Atemschutz und Handschuhe sollten, wenn angebracht, getragen werden.

Entfetter: Essenziell, wenn später eine extra Versiegelung aufgetragen werden soll. Wird diese auf nicht entfetteten Oberflächen appliziert, leidet die Standzeit enorm. Kann mit destilliertem Wasser verlängert werden. Dies spart Material und verhindert ein zu schnelles Ablüften. Wir nutzen den Liquid Elements IPA (Wir nehmen meist circa 70% IPA / 30% Wasser)

Mikrofasertücher: Die Tücher sollten frei von Verunreinigungen sein und keine neuen Kratzer verursachen. Speziell zu Politurabnahme haben wir z.B. das Liquid Elements Red Snapper im Sortiment. Ansonsten eignen sich auch die meisten Universaltücher, wie unser ADVANTUSE Super Soft, dafür. Nicht zu empfehlen ist die Verwendung von Trockentüchern.

Abklebeband: Das Abkleben von empfindlichen Oberflächen oder aber Gummi- und Kunststoffteilen erspart viel Arbeit im Nachhinein. Polituren neigen dazu, weiße Schleier auf nicht lackierten Plastikoberflächen und Gummi zu hinterlassen. Diese bekommt man später gar nicht oder sehr schwer weg. Darum empfehlen wir die Investition in Abklebeband. Hier haben wir zwei Sorten vom belgischen Spezialisten HPX:

  • EW für das Abkleben von rauen Oberflächen wie z.B. Kunstoffleisten,
  • FP für das Abkleben von glatten Oberflächen wie z.B. dem Lack.

Bei der Politur der Motorhaube schützen wir die Frontscheibe einfach mit alten Mikrofasertüchern, um uns spätere Putzarbeiten zu ersparen.

Arbeitsschutz: Dieser Punkt sollte von niemandem vernachlässigt werden. Schützt euch selbst und investiert die paar Cent in Handschuhe oder Gehörschutz. Bei der Verarbeitung von Entfetter ist Augenschutz zu empfehlen und bei dem Applizieren einiger Beschichtungen auch ein Atemschutz.